Mitsuya-Kai Sommercamp 2009

Das diesjährige Internationale Mitsuya-Kai Sommercamp 2009 fand vom 03.-07. August 2009 in der Schillerstadt Marbach am Neckar statt. Camplogo Ungefähr 150 Teilnehmer aus diversen Ländern aus der ganzen Welt hatten sich für eine Woche versammelt, um bei Hanshi Seinosuke MITSUYA Karate in Reinstform und absoluter Perfektion zu lernen und vertiefen. Es fanden sich alte Bekannte aus der Schweiz, Ungarn und Italien wieder. Aber auch neue Gesichter aus Indien und Botswana hatten am intensiven Training teilgenommen.
Die Organisation, die diesmal von Sascha und seinen Mitgliedern vorgenommen wurden, war wie jedes Jahr exzellent. Vom leckeren Kaffee in den Pausen, bis hin zum Vereinslokal, das wegen des Lehrgangs extra seine Sommerpause um eine Woche nach hinten geschoben hat und uns dafür mit leckeren Speisen versorgte - es war alles perfekt organisiert. Hierfür noch einmal ein dickes "Danke schön".

Dangruppe Seiza Ausserhalb der Trainingszeiten gab es wieder verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen. Traditionell fand am ersten Abend die welcome party statt. Im oben erwähnten Lokal fanden sich zahlreiche Lehrgangsteilnehmer ein um sich näher kennenzulernen, oder einfach nur um ein wenig beim Essen Gedanken auszutauschen. Es war ein sehr netter Abend bei dem ich wieder ein paar Menschen besser schätzen gelernt habe.
Dienstag abend war nach den Lehrveranstaltungen ein kleines Grillfest auf dem Campingplatz organisiert. Dort wurden in lockerer Atmosphäre leckere Steaks und Salate angeboten und auch für die flüssige Nahrung war reichlich gesorgt. Leider war ich an diesem Abend schon sehr ausgelaugt, sodass ich nach einem kurzen Abstecher dorthin, um mich mit einem Riesensteak zu vergnügen, schon wieder die Heimreise zu meinem schönen Domizil bei Andi - dem ich auf diesem Wege auch noch mal recht herzlich für die Aufnahme und Verpflegung danken will - angetreten habe.
Am Mittwoch nachmittag finden immer diverse Veranstaltungen - wie Schwimmbad- und Museumsbesuche statt. Immerhin ist das Jahr 2009 anläßlich des 250. Geburtstags von Friedrich Schiller zum Schillerjahr 2009 in Marbach ausgerufen worden. Deshalb gab es natürlich eine Stadtführung in zwei Sprachen. Der Bürgermeister hat es sich einen Tag vorher auch nicht nehmen lassen, alle Dojoleiter und die ausländischen Vertreter zu einem kleinen Umtrunk ins Mimmo Kumite Rathaus einzuladen. Er hat sehr bildlich und emotional die Geschichte der Stadt erzählt und uns alle restlichen Fragen über die Stadt beantwortet. Die immerhin über 1900-jährige Geschichte der Stadt geht natürlich weit über Friedrich Schiller hinaus, der erst knapp 66 Jahre nach der verheerenden Feuersbrunst geboren wurde, die die komplette Stadt zerstört hat.
Last but not least fand am Freitag abend die farewell party im eigens angemieteten Kellergewölbe des Schlosskellers statt. Auch hier war für das leibliche Wohl mehr als gesorgt und der Lehrgang klang bei Musik und interessanten Gesprächen langsam aus.

Das wichtigste und der Hauptgrund, warum wir uns alle in Marbach trafen war natürlich das Training bei MITSUYA Sensei. Die fünf Tage Training waren gefüllt mit Programm für jede Graduierungsstufe. Ausserdem "regulären" Training hatte jeder noch die Möglichkeit sich auf Prüfungen vorzubereiten, sich als Kampfrichter fortzubilden oder einen Einblick in die Kunst des Shiatsu oder Kuatsu zu erlangen.
Sensei erklärt MITSUYA Sensei hat auch auf diesem Lehrgang wieder einen Einblick in seine unglaublich präzise und schnelle Art des Karate gegeben. Es ist immer wieder deprimierend für mich, wenn ich versuche die exakten Techniken von Sensei nachzuahmen. Es will mir einfach nicht gelingen. Wenn Sensei dann noch betont, dass man die Kraft aus den Bewegungen nehmen soll und stattdessen lieber etwas Geschwindigkeit zulegen soll, komme ich immer an meine Grenzen. Ich denke immer: "ich nehme doch die Kraft raus und versuche Geschwindigkeit hineinzulegen". Aber wenn Sensei dann kopfschüttelnd an mir vorbeiläuft, weiß ich wieder, dass mein Körper dies wohl so nicht umsetzen kann. Falls ich durch diese Aufgabe nicht schon genug beschäftigt bin, kann Sensei locker noch eins draufsetzen. Er muss nur den Rhythmus ansprechen. Nicht jede Bewegung mit der gleichen Geschwindigkeit ausführen. Langsame und schnelle Techniken in dem jeweiligen Tempo ausführen. Es sieht alles ganz leicht aus - ist es aber nur bedingt. Für mich jedenfalls.
Es gibt aber auch lichte Momente - selbst für mich. Wir haben in den Kobudo-Trainingseinheiten die Kata Shodan no kon und Nidan no kon unzählige Male wiederholt. So langsam setzt bei mir ein Verstehen ein und die Kata laufen wie von alleine. Dabei ist es aber trotzdem immer wieder hilfreich, wenn Sensei sich die Kata anschaut und Korrekturen vornimmt. Es schleichen sich immer Fehler ein und durch Unkonzentriertheit werden sich auch immer wieder alte Fehler neu eingebaut.
Altbekannte Dinge, die ich schon seit Jahren dachte zu beherrschen, wurden von Sensei auch wieder offen gelegt und ins Gedächtnis zurückgerufen. So ist man oft sehr unkonzentriert oder fahrig und somit fehlt die richtige Aufmerksamkeit - das Zanshin. Kobudo Die Kata oder das Kumite beginnt mit einer Verbeugung. Schon hier soll man das Zanshin nutzen. Vor allem am Schluss soll die Energie und die Konzentration wieder in den Körper fliessen. Deshalb nach der Kata noch zwei bis drei Sekunden stehen bleiben - Zanshin zeigen. Diese Dinge hat man schon hundert Mal gehört. Man nimmt sie wahr. Man beachtet sie. Fünf Mal. Danach hat man sie wieder verdrängt und verfällt in alte Muster. Deswegen sollte man sich die grundlegenden Dinge immer wieder gewahr werden. Dann lebt Karate.
Ich hatte zudem das Glück einige Zeit mit Mimmo im Kumite zu trainieren. Ein alter Fehler war schon seit ewigen Zeiten, dass ich Mimmo das Kumite automatisiert hatte. Ich hatte es früher so gelernt. Wenn mein Partner zuckt, zeige ich ihm, dass ich schnell reagieren kann. Ich spritze von meinem Platz - weiche aus - und wenn der Angriff ankommt stehe ich quasi schon da und wehre ab. Das ist natürlich Blödsinn. Das ist Gymnastik - nichts mehr und nichts weniger. Es hat nichts mit Karate zu tun! Seit Jahren kämpfe ich mit mir stehen zu bleiben und zu warten bis der Angriff in meinen persönlichen Bereich eindringt. Genau dann kann ich anfangen auszuweichen. Falls ich dann auch noch in der Lage bin zu sehen, was für ein Angriff wohin kommt, ist alles perfekt. Mit Mimmo konnte ich mir endlich beweisen, dass ich diese Aufgabe endlich einigermaßen gemeister habe. Ich bleibe stehen. Endlich. Paolo Lange genug. Ich sehe was kommt! Und ich reagiere erst dann! Ich bin bereit - konzentriert. Trotz diesem Erfolg gibt es noch viel zu tun. Zehn Minuten können eine lange Zeit sein. Die Konzentration so lange aufrecht zu erhalten und nicht wieder in den alten Gymnastik-Trott zu verfallen - die Übung zu automatisieren - das ist immer noch eine Herausforderung. Für jeden der Karate ernsthaft und mit reellem Hintergrund betreiben will. Das zu zweit gelernte konnte man an einem anderen Tag in der Gruppe umsetzen. Eine schöne alte Übung: Einer in der Mitte. Vier im Kreis. Hajime.

Ein großer Schwerpunkt lag natürlich wieder auf dem Thema Kata. Sensei hat voll aus dem riesigen Schatz der Shito-Ryu Kata geschöpft. Ich konnte meine schon vorhandenen Kata wieder festigen. Auch hier durfte ich einige Fehler ausmerzen. Zudem hatte ich noch die Möglichkeit zwei neue Kata mitzunehmen.
Die Präzision und die Geschmeidigkeit mit der Sensei die Kata vorträgt ist immer wieder faszinierend. Er lebt regelrecht die Kata. Es ist immer wieder lehrreich zu sehen, wie eine Kata anfängt zu leben. Es ist eben nicht nur das pure Abspulen der Gruppenbild Kata oder das für einen Wettkampf eingeübte überzogene Punktewerben und Kampfrichter Blenden. Kata leben lassen bedeutet Aufmerksamkeit und Verstehen. Beim Betrachten einer Kata-Vorführung kann man das leicht sehen. Beim diesjährigen Sommercamp-Cup waren manche Vorführungen richtig imposant. Kinder von vielleicht sechs Jahren haben eine lebendige Kata vorgeführt, als wäre nichts leichter als ebendies. Dies wurde auch von den Kampfrichtern und Publikum oftmals gewürdigt.
Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Lehrgang im November mit Sensei.